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2009-06-29 Schleswig Holsteiner Zeitungsverlag (Online)

Immer mehr Anhänger

29. Juni 2009 | 04:50 Uhr | Von Karin Johannsen
350 Gewandete, 42 Heerlager, 100 Zelte: Noch nie war die Beteiligung beim "Historischen Treyben" so groß, wie am Wochenende.

Hier ist viel Geschicklichkeit gefragt: Schwertkämpfer vermitteln ihre Sportart. Foto: Karin Johannsen

"Seid gegrüßt" hieß es am Eingang mehrere hunderte Male, bevor die Besucher unter Zinnen eintraten in eine andere Welt, in der Geschichte lebendig wurde. Das "Historische Treyben" bot an zwei Tagen einen hohen Erlebniswert mit Informationen, Schauen, Staunen und Mitmachen. Wer hektische Betriebsamkeit erwartet hatte, sah sich angenehm überrascht: Es wurde ein entspanntes Familienfest.

Mit Dudelsack, Sackpfeifen und Trommeln marschierten die Gewandeten, begleitet von reichlich Gefolge, am Sonnabend durch den Ort. Sie wollten auf die große Veranstaltung aufmerksam machen und nach Rattenfänger-Manier die Bürger zur Festwiese führen. Das war ein schöner Akt, hätte aber kaum nötig getan: Für Historie-Anhänger aus Nah und Fern bedeutet das "Historische Treyben" auf dem weitläufigen Gelände im südwestlichen Leck ein Muss.
 
"Die Grenze ist erreicht."
 
Das untermauerte auch die Tatsache, dass sich mehr Akteure beteiligen wollten - immerhin aus einem Umkreis von gut 500 Kilometern. Die Zahl der Heerlager stieg beispielsweise von 24 auf 42, mit 350 Gewandeten kamen 100 mehr als im Vorjahr, 32 Händler packten ihre Sachen aus, und es wurden über 100 Zelte aufgeschlagen. "Die Grenze ist erreicht, die Kapazität des Areals ist ausgeschöpft", freute sich Jörg Bernkopf über das erfolgreiche Konzept. "Es trifft den Nerv der Leute." Er gehört zum Veranstalter-Team mit Kay Schwarz, Gunnar Christiansen und Heiner Gilde und mit den beiden Erstgenannten zum Vorstand des im Frühjahr gegründeten Verein "Historisches Treyben Südtondern". Durch ihr Engagement wurde eine Erlebniswelt geschaffen. Nicht der Kommerz stand im Vordergrund, sondern einzig das Eintauchen in die Geschichte von 800 bis 1800 - ganz nach dem Motto "Wikinger trifft Infanterie".
 
"Das ist ein tolles Feeling."
 
Die Zeltstadt ließ einen Einblick zu, wie sich das Leben in jenen Zeiten abspielte. Heerlager wie "Stellamaris Radus" aus Berlin, das "Lottergesindel" aus Leck, "Frisia Historika" aus Stedesand oder das "Equitatus holsatiae" mit Ritter Otto von Plön (er lebte um 1260) ließen sich auf die Finger schauen. Alle kochten ihr "Süppchen" auf einer Feuer-Grube im Erdreich mit Lebensmitteln, die anno dazumal hoch im Kurs standen: Fleisch, Eier, Lauch. Erstmals gesellten sich Indianer und Trapper dazu. Insbesondere Indianerlady "Braveheart" vom Stamme der "Cheyenne" - im richtigen Leben kommt sie aus Wilster - war außer sich: "Das ist hier ein tolles Feeling, macht richtig Laune." Händler, Handwerker und Künstler der jeweiligen Epochen zogen die Blicke auf sich. Kürbis- und Kirsch-Met, Karamel und Lakritz, "Medusin" aus Löwenzahn- oder Holunderblüten, wurden angeboten.
 
Schwertkampf und Minnesänger
 
Zum Schwertkampf luden acht Akteure einer Hamburger Fechtschule ein. Wer wollte, konnte die Axt werfen, den Bogen mit dem Pfeil spannen oder historische Spiele wie "Tablut" oder "Mühle" erlernen. Der Poitu-Esel "De Gaulle" vom Warder Tierpark wurde nicht müde, seine kinderleichte Fracht umher zu tragen. Das Wetter war an beiden Tagen ideal, um auf dem "Historischen Treyben" zu verweilen, gemütlich zu schlendern, sich unterhalten zu lassen, so von der führenden Markt-Band "Satolstelamanderfanz". Die vier Musiker spielten postgotischen Ethno-Swing auf steinalten Instrumenten, darunter die skandinavische Schlüsselfidel und der Trumpscheit, der Urgroßvater vom Bass. Zur vierten Stunde nach Mittag traten sie einmal mehr auf und baten danach zum "Chappeloise"-Tanz. Piraten-Kapitän Rossini mischte sich unters Volk und ebenso Minnesänger Maltracio. Mit leisen Tönen erzählte er vom betagten Ritter Eisenbart oder von Adele, dem "Miststück". Im Nu war er umringt von Zuhörern, die spontan den Refrain mitsangen und sich über die Warnung amüsierten: "Im Text fallen derbe Worte, alle bösen lasse ich weg bei meinem instrumentalen Stück."

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