Heiratsantrag mit SSK - Verlobtensicht

Ein wundervoller Tag nahm seinen Anfang am Montag, den 26.08.2013. „Jetzt aber“, waren meine Gedanken als meine eigentlich schon länger gärende Idee viel zu kurzfristige (zumindest meiner Meinung nach, aber dazu später mehr) Umsetzung erfahren sollte.

Die Nummer von der Homepage von SSK noch einmal geprüft, Uhrzeit, passt auch. Anrufen: Jetzt! An den Wortgetreuen Anfang des Gesprächs kann ich mich schon jetzt nicht mehr genau erinnern, zu viel (Schönes) ist inzwischen passiert. 

Heiko Schulze heißt mein gegenüber und eben jener hört sich geduldig meine aus meiner Sicht leicht gestammelten Formulierungen meiner Grundidee an. Einen Heiratsantrag habe ich vor. Am liebsten würde ich meine Angebetete aus den Fängen eines üblen Schurken befreien um danach um ihre Hand anzuhalten. Auf dem MPS in Öjendorf. Am Samstag den 31.08.2013 (Jahaa…gleiches Jahr. siehe oben). Innerlich schon auf eine Absage aufgrund zu kurzer Zeit eingestellt, kamen folgende Worte an mein Ohr, die ich, wie so vieles was noch folgen sollte, wohl nie wieder vergessen werde. 

„Oh, das kommt erfreulich früh!“

Kurze, geschockte Stille meinerseits. Nun ja, ich hatte ja schon damit gerechnet, aber so direkt? Aufgrund meiner (wieder leicht holprigen) Entschuldigungen kam aber ein völlig überzeugendes: „Das meine ich vollkommen ernst.“ Sollte es doch noch klappen? Und wie!

Nach kurzem Gespräch kam die Bitte doch vor dem Training am morgigen Tag vorbeizuschauen, alles weitere vorher besprechen, dann beim Training mitmachen und Samstag sollte das dann alles klappen. Ich war begeistert von so viel Spontanität und Freundlichkeit. Allerdings machten sich kurz nach dem Auflegen schon die ersten Anzeichen von Nervosität breit. Jetzt wird es ernst.

27.08.2013. Um ca. 19.10 war ich dann in Pinneberg, etwas zu früh, aber da ich 180 km zu fahren hatten war mir das wesentlich angenehmer als zu spät. Als ich meinen Gesprächspartner ausfindig gemacht hatte, wurde schnell aus dem Herrn Schulze ein Heiko und die Planung begann bei einem sehr angenehmen Gespräch sofort. Als der Grundrahmen stand, hieß es: Los, üben. Ich hatte ja nun einmal noch nie einen Schwertschaukampf bestritten und ich sollte schließlich mit meinem Vorhaben Teil des Auftritts werden. Ich und mein Anliegen wurden beim Training vorgestellt und wieder war ich wirklich angetan davon, wie freundlich ich aufgenommen wurde. Ein geeigneter Partner und gleichzeitig Trainer musste her und gefunden wurde Thorsten. Wir zogen uns etwas zurück in die Nebenhalle und was folgte waren 1,5 Stunden Anstrengung (ich bin keine 18 mehr und sonderlich fit schon einmal gar nicht) aber es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, ich hatte einen wirklich guten Lehrer.

Zum Schluss musste das Erlernte dann noch bei Heiko vorgetragen werden und außer ein paar kleinerer Anmerkungen („Schneller…und noch einmal“ Himmel, ich war danach so was von platt) schien es so weit in Ordnung zu sein. Es folgte eine kurze Nachbesprechung und dann musste ich mich auch leider schon wieder auf den Weg nach Bremerhaven machen.

28.08.-30.08.2013 Diese Tage waren ausschließlich dafür da, kontinuierlich meine Nervosität ansteigen zu lassen und meinen kolossalen Muskelkater zu pflegen. Ich hatte das Gefühl Arme wie Popeye zu haben…nur ohne Kraft. Außerdem mussten auch noch die zukünftigen Schwiegereltern informiert und meine Freundin Anja möglichst unauffällig davon überzeugt werden, nun doch unbedingt zum MPS zu fahren. Und die Worte für den Heiratsantrag sollte ich mir wohl auch langsam mal überlegen. Es muss schon witzig ausgesehen haben, wie ich „Trockenübungen“ des erlernten Schaukampfes im Büro und zu Hause durchgeführt habe. Am Freitagabend ging es dann auf zum Zeltplatz in Öjendorf. Habe ich schon erwähnt, dass ich immer nervöser wurde?

31.08.2013 Nun war es soweit, nach gefühlten 2 Stunden Schlaf und einem kurzen Telefonat mit Heiko versuchte ich möglichst rechtzeitig mit meiner Freundin und Freunden am Heerlager zu sein. Ich wurde immer…na, ihr wisst schon. Himmel, ist das Gelände riesig, hoffentlich sind wir rechtzeitig da! Dank Durchfragetechnik schafften wir es einigermaßen rechtzeitig und die sehr überzeugend dargebotene Aufführung von Heiko:

„Thim, mein alter Schulfreund, ich brauche eure Hilfe bei einem Auftritt“ war so gut, dass die, aufgrund meine ungewöhnlichen Nervosität (ja, es wurde für Umstehende langsam unerträglich) schon massiv auftretenden Verdächtigungen meiner Freundin, es sei doch was „im Busch“, glatt zerstreut wurden.

Außerdem wurde Sie nach der Ankündigung, sie würde auch Teil des Auftritts, nämlich selbst nervös. Aber es gibt ja kaum etwas, was ein kleiner Rum-Cola nicht wieder in Ordnung bringen kann. Den Rest der Zeit verbrachten wir, nachdem wir Gewandung erhielten (das Kleid für meine Zukünftige passte ihr sensationell, riesigen Dank dafür!) bis zum Auftritt im Heerlager und obwohl die Nervosität nicht weniger wurde, fühlten ich und meine Freundin, ob des herzlichen Umgangs, pudelwohl.

Dann war es endlich soweit, nach einer Auftrittsbesprechung ging es irgendwann los, Zeit und Raum waren für mich eh´ schon langsam relativ. Den Platz wo alles stattfinden sollte hatten wir ja schon einmal begangen, aber der Weg dorthin war auf einmal mehr als doppelt so lang…oder so kurz?

Der Auftritt begann und ich wusste eigentlich nicht mehr ob ich fasziniert und gebannt war, oder nur angespannt versucht habe grundlegende Körperfunktionen aufrecht zu erhalten (einatmen, stehen bleiben…achja, ausatmen). Thorsten hatte schon ein Schwert und Handschuhe bereitgelegt und hatte versuchte mit freundlichen Worten mir die Nervosität zu nehmen…vergebene Liebesmüh´.

Die Geschichte, der Streit der Schmiede um die Qualität der Waffen, das kleine Turnier der streitenden Gruppen, der Verweis der Unterlegenen, die Vereidigung der neuen Wachen, der Überfall, die drohende Hinrichtung, der Satz: „Nimm was Du willst, doch ziehe von dannen“ Jetzt ging es für mich als bis dahin relativ Unbeteiligten los. Ich hatte inzwischen ein Mikro bekommen, Anja wurde infolge der beginnenden Massenschändung von Thorsten geschnappt.

Was dann alles passierte, war wie ein wunderbarer Traum. Erst im nach hinein habe ich wahrgenommen wie schnell der Rest der Truppe Thorsten und mir das Feld überlassen hat, damit ich mit ihm um meine Frau kämpfen konnte. Wie viele Zuschauer es waren, keine Ahnung, gefühlt waren es sehr viele. Das Vertrauen in Thorstens Fähigkeiten half mir jedoch sehr, wenigstens ein wenig ruhiger zu werden. Ein kleines Stoßgebet, dass ich mich bitte nicht allzu deppert anstellen möge und los. 

Irgendwie fast schon zu schnell war der kurze, einstudierte Kampf vorbei und ich stand (dezent keuchend) vor Anja. Ihre leicht geröteten Augen, ihr Lächeln und leichtes Zittern zeigten mir, dass sie nun endgültig wusste, was nun kommen sollte und ich hielt sie fest, oder ich mich an ihr, auch das weiß ich nicht mehr so genau…und ich hab doch tatsächlich alles gesagt, was ich mir vorgenommen habe, glaube ich zumindest. Das wichtigste: Sie hat „Ja“ gesagt.

Auf einmal standen meine Freundin, Entschuldigung, Verlobte und ich vor einem Spalier aus erhobenen Schwertern…was für ein Moment.

Ich hoffe die gemachten Fotos zeigen ein wenig unsere Ergriffenheit und Freude beim durchschreiten. Als wir danach noch einmal zu Heiko nach vorne kamen, die gesammelte Truppe im Halbrund vor uns, dann aufstehend, den von Heiko eingeforderten Applaus der Zuschauer…ganz ehrlich, in diesem Moment waren meine Frau und ich kurz vor dem Kollaps und wir werden sicher noch sehr lange an akuter Gänsehaut leiden wenn wir daran denken.

Danach haben wir zusammen mit unseren Freunden noch eine Weile die herzliche Gastfreundschaft im Heerlager genossen, sehr angenehme Gespräche geführt und das erlebte noch einmal Revue passieren lassen. Irgendwie war von Wolke Sieben kein runterkommen mehr.

Meinen, nein, unseren Dank für alles in Worte zu fassen ist eigentlich unmöglich und das diese Zeilen das Einzige sein sollen, was ich tun kann erscheint zu wenig. Nur so viel, ihr alle habt geholfen einen der wichtigsten Tage unseres Lebens auch noch zu einem der Schönsten zu machen. Ihr habt zwei Menschen sehr, sehr glücklich gemacht.

Danke SSK!

Hier ist der Bericht aus der Sicht vom Trainer... siehe hier

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