24 - Weil ich der Schulze bin

Erhobene Schwerter bilden ein Spalier

10 Minuten vor der Show kam der Veranstalter in unser Lager: Ein Mann wolle seiner Freundin vor großem Publikum einen Heiratsantrag machen. Ob wir das einbauen könnten.

7 Minuten vor der Show: Die gesamte Mannschaft wird informiert.

5 Minuten vor der Show: helle Aufregung.

3 Minuten vor der Show: Wir haben eine Idee. Der Herzog sucht neue Wachen, die Freiwilligen kommen aus dem Publikum, der Beste wird eingestellt.

1 Minute vor der Show: Die Freundin wird aus dem Publikum geholt und neben den Thron gesetzt. Als „Nichte der herzoglichen Familie“.

2 Minuten nach Showbeginn standen ein Thron, ein Stuhl, ein Herzog und sein Hauptmann auf dem Plan und legten los. Das war Norderstedt 2010.

Zum Glück stellte sich der Mann mit dem Schwert geschickt an. Er bekam seine Stelle. Der Herzog bedauerte, die Kassen seien leer, was er sich denn als Bezahlung wünsche.

„Ich bitte um die Hand Eurer Nichte.“

Rund 500 Zuschauer hielten den Atem an. Es wurde mucksmäuschenstill. Dann das „Ja, ich will“. Und erst danach kam die Ansage: Volk, das ist keine Show mehr. Das ist gerade ein wirklicher Heiratsantrag.

Zwei Jahre später besuchten uns die beiden wieder in Norderstedt. Am Samstag fragte ich sie heimlich, ob sie denn inzwischen geheiratet hätten. Nein? Es sei keine Zeit gewesen. Gut. Dann wollte ich mich darum kümmern. Sie solle ihn am nächsten Tag einfach wieder mitbringen.

Er wusste von nichts. Wir holten ihn zum Mitkämpfen ins Stück, die Show lief ganz normal, und am Ende stand er vor all den Leuten neben seiner Frau. Ich wollte mich nicht als Priester verkleiden. Es sollte nicht amtlich sein, aber ehrlich. Also donnerte ich: „So, weil ich der Schulze bin, habe ich das Recht und die Pflicht …“

Beide brüllten ihr Ja.

Es gibt wirklich perfekte Momente. Das hier war so einer. Angefangen hatte er vor zwei Jahren mit zehn Minuten Vorbereitung.

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