Einleitung und Erklärungen zu den Pressemitteilungen

2008-10-18 Elbe Wochenblatt (Seite 6)

Ritterschlag für Bürohengste

Sehnsucht nach dem Mittelalter: Immer mehr Menschen flüchten auf Burgfesten und Ritterturnieren aus ihrem Alltag.

Die Ritter Axel von Haldensleben und Volker von der Bitte wollen etwas erleben. Wir hatten Kunde von diesem Markte", verkünden die hohen Herren, die unter der Woche ihre Taler als Axel Nicke und Volker Schulz mit schnöder Büroarbeit verdienen müssen. Ritter von Haldensleben der immerhin 43 Lenze zählt verrät, dass er auf der Suche nach einer holden Jungfrau sei. "Ich bin noch zu haben", nuschelt er etwas undeutlich durch sein Visier und deutet auf ein Paar altertümlicher Handschellen, die an seinem Gürtel baumeln. In Insiderkreisen ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Träger noch auf Freiersfüßen wandelt. Leichtfüßig kann der Ritter auf Burgfesten und Ritterturnieren leider nicht zu Werke gehen: Die Rüstung ist einfach zu schwer.

Schwertkämpfe, Minnesang und Hexenverbrennungen: Immer mehr Menschen spielen in ihrer Freizeit Mittelalter und verwandeln sich in Ritter, Räuber, Rattenfänger oder Burgfräulein. Die dunkle Ära bewegt die Massen: Mehr als 4.000 Veranstaltungen fanden bisher in diesem Jahr in Deutschland statt. Tendenz steigend.

"Das ist so ein Kribbeln im Bauch, wie verliebt sein", schwärmt Britta Kolb (36) von ihrem Hobby, das sich im Laufe der letzten Jahre zu einer neuen Lebenseinstellung gewandelt hat. Gerade hat sich die Werbe-Grafikerin gemeinsam mit ihrer Freundin Sabine Schnackenbeck (44) einen Traum verwirklicht und mit großem Erfolg ihren ersten eigenen Mittelaltermarkt namens "ElbSpectaculum" organisiert. Beide hoffen, dass aus der nebenberuflichen Tätigkeit irgendwann vielleicht ein Ganztagsjob wird.

Erwachsene Männer messen ihre Kräfte im Kampf mit stumpfem Schwert oder schwingen den schrecklichen Morgenstern und buhlen so um die Gunst eines schönen Burgfräuleins. Das einfache Weibsvolk schart sich derweil um die Feuerstelle und kocht in eisernen Töpfeneine authentische Brotsuppe, näht fantasievolle Gewandungen oder lässt sich abends auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Andere zwängen ihre Füße in Schnabelschuhe, setzten sich eine Narrenkappe mit lustig klingelnden Schellen auf und geben, wie Rebasius Funkenflug, den Gaukler. In einer von Hektik und Reizüberflutungen geprägten Zeit sehnen sich offensichtlich immer mehr Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten nach einem überschaubaren, einfachen Leben zurück.

Von dem Boom profitiert das bundesweit erscheinende Fachmagazin "Karfunkel", das sich über eine beständig steigende Auflage freut, aber auch die Gruppe "Schwertschaukampf' aus Norderstedt, deren Mitglieder an sage und schreibe 15 Volkshochschulen in Hamburg und Umgebung Kurse im Umgang mit Schwertern, Äxten und Morgensternen anbieten. Mittelalterliche Bands wie "Furukulus Bladifo" und "Koboldtanz" sind auch längst keine Randerscheinung mehr, sondern stürmen mit ihren Hits die Charts.

"Mir ist natürlich klar, dass wir das Mittelalter verklärt darstellen", räumt die rothaarige Hexe Alrauna alias Britta Kolb ein. Mittelalterliche Geißeln wie Pest, Hungersnöte und blutgetränkte Schlachtfelder werden auf den diversen Veranstaltungen ausgeklammert. Davon abgesehen sei es aber einfach befreiend, am Wochenende in eine andere Rolle zu schlüpfen und den anstrengenden Alltag mit seinen immer größer werdenden Anforderungen hinter sich zu lassen.

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