Einleitung und Erklärungen zu den Pressemitteilungen

2010-06-14 Norderstedter Zeitung Beilage im Hamburger Abendblatt

Norderstedt im Bann des Mittelalters

Das bunte und exotische Spektakel rund um Ritter, Gaukler und Prinzessinnen lockte Tausende von Fans in den WiIIy-Brandt-Park
von BERND-OLAF STRUPPEK

NORDERSTEDT . Der zwölfte Tag im Juno, anno domini 2010. Der Geruch offener Feuer weht über die kleine Zeltstadt, vermischt mit dem durchdringenden Aroma von Kräutern. Hier klirren Schwerter, dort fährt lautstark ein Schmiedehammer nieder, und aus der Taverne klingt der laute Ruf eines Zechers. Wäre, sagen wir so gegen 20 Uhr, ein Zeitreisender genau hier im Norderstedter Stadtteil Garstedt gelandet - er hätte verdutzt am Funktionieren seiner Apparatur zweifeln müssen. Statt wie geplant in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts zu landen, müsste er glauben, seine Zeitmaschine habe ihn ins Mittelalter befördert.


Selbige Epoche steuerten mehrere Tausend Besucher an zwei Tagen ganz bewusst und voller Wonne an: Das Norderstedter Mittelalterfest im WillyBrandt-Park zog wieder all jene in seinen Bann, die mit Mittelalter kein düsteres Zeitalter, sondern vielmehr ein buntes und exotisches Spektakel rund um Ritter, Gaukler und Prinzessinnen assoziieren.


„Mit einem Hemd, das einem einer überstreift, fängt es häufig an", beschreibt Johannes F. Faget, alias Herold Fogelvrei und Cheforganisator von „Fogelvrei Produktionen", wie manch einer vom Mittelalter-Virus infiziert wird. Geht es danach, sind die Norderstedter Honoratioren, die seit jeher zum Auftakt des Mittelalterfestes in historisches Gewand schlüpfen, um Teil des Spiels zu werden, bereits unheilbar von diesem ganz speziellen Virus befallen. Denn Stadtpräsidentin Kathrin Oehme, Norderstedt Marketing-Vorsitzender Stefan Witt oder auch Carsten Krohn von der Sparkasse Südholstein als Vertreter von Mitveranstaltern und Sponsoren mussten sich nicht etwa mit einem Hemd begnügen. Vielmehr wurden die hohen Damen und Herren, denen es obliegt, nach einem Umzug mit Pauken und Trompeten übers Gelände auf der Bühne das Fest offiziell zu eröffnen, komplett ausstaffiert. Kathrin Oehme und Witt gaben authentisch reiche Patrizier einer prosperierenden Handelsstadt. Was indes Kai Evers, Geschäftsführer der Landesgartenschau, darstellen sollte, blieb manchem Betrachter ein Rätsel. Evers' Tochter entfuhr beim Anblick ihres Vaters spontan der Aufschrei: „Papa, nein!"

Zum Zeremoniell der Eröffnung gehört, dass Handwerker und Händler ihre Gaben präsentieren und zur Verköstigung anbieten. Wobei die Mäusefrau sich vehement dagegen wehrte, ihre lebende Ware zur Verköstigung herzugeben...

Kamen viele der Akteure, gerade auch der Schwertkämpfergruppen im Heerlager aus ganz Norddeutschland, so war ein Streiter sogar aus der fernen Steppe Asiens bis Norderstedt geritten: Der grimmige Mongolenkrieger war Teil der Ritter- und Turniershow der

Gruppe „Mandschu Tengri". War im Vorjahr noch Drache Fangorn optischer Höhepunkt gerade für viele Kinder gewesen, so sollten diesmal die Reiterspiele für besondere Aha-Effekte sorgen. „Norderstedt ist eine Reiterstadt", befand abends Johannes F. Faget, „die Entscheidung, dieses Mal auf das Ritterturnier zu setzen, war richtig." „Mandschu Tengri", die nachmittags gegen die Fußball-Übertragungen ankämpfen mussten, und doch vor gut gefüllten Bankreihen spielten, boten eine Mischung aus waghalsigen Reiterstunts und Slapstickeinlagen. Die Mitglieder der erfahrenen Showtruppe ritten durchs Feuer, maßen ihre Kräfte beim Lanzenstechen und beim Axtwerfen vom Sattel aus - und hatten mit dem ebenso trink- wie sattelfesten Ritter aus Russland den Publikumsliebling in ihren Reihen.

So echt die mittelalterlichen Darbietungen von „Fogelvrei" wirken, so nüchtern müssen doch die „Macher" auch nach modernen wirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkulieren. Da wird während des Mittelalterfestes die „Verweildauer" der Besucher analysiert - und die lag in Norderstedt wieder deutlich über drei Stunden. Für Faget ebenso wie für die Vertreter der Stadt ein gutes Zeichen dafür, dass die Veranstaltung im Willy-Brandt-Park das große Vergnügen für die ganze Familie ist, die sie sein soll. „Die Leute empfinden es positiv, dass sie hier bummeln können, dass die Kinder sich überall vergnügen können", so Herold Fogelvrei.

Dass sich auch im kommenden Jahr wieder die Tore zum Mittelalter in Norderstedt öffnen, ist längst ausgemachte Sache. Ob sich jedoch jeder Wunsch von Hauke Borchardt, Sprecher der Stadtverwaltung, erfüllt, bleibt angesichts immer größerer Löcher auch im Norderstedter Stadtsäckel mehr als fraglich: „Ich wünsche mir hier eine Burg!"




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