09 - Wir kämpfen miteinander

Zwei Kämpfer mit Schwertern im Training in einer Sporthalle

Mein Gegenüber hat ein Schwert in der Hand, und ich will, dass ihm nichts passiert. Eigentlich ist das schon die ganze Kolumne.

Bei uns stehen sich keine Gegner gegenüber. Es stehen sich Partner gegenüber. Das klingt wie ein Spruch für den Wandkalender, ist aber die wichtigste Regel im ganzen Sport. Wer bei uns eine Lücke sieht, nutzt sie nicht aus. Wer den Fehler des anderen bemerkt, macht daraus keinen Treffer und keinen Punkt.

Stell Dir einen Fußballer vor. Er dribbelt alle aus, umspielt den Torwart, steht vor dem leeren Tor – und schießt nicht. Genau das machen wir. Jede Woche. Mit Stahl.

Und wenn mein Partner einen Angriff nicht parieren kann? Dann liegt die Schuld oft nicht bei ihm, sondern bei mir. Ich habe nicht klar genug angezeigt. Ich war zu schnell. Ich habe nicht genug auf ihn geachtet.

Was das mit Menschen macht, kann man kaum erklären. Du musst Dich auf jemanden verlassen, den Du vielleicht erst seit ein paar Wochen kennst. Und er sich auf Dich. Mit einer Waffe, die nur deshalb harmlos bleibt, weil Ihr beide aufpasst. Das geht nicht mit halber Aufmerksamkeit, und es geht nicht mit Eitelkeit.

Solches Vertrauen bleibt nicht in der Turnhalle. Es geht mit ins Heerlager, an den Tisch, ans Lagerfeuer. Vielleicht passen wir deshalb auch dort so gut aufeinander auf.

Unser Ziel ist immer dasselbe: Am nächsten Tag gehen alle unverletzt und mit leuchtenden Augen zur Arbeit.

Der Fußballer vor dem leeren Tor würde dafür ausgepfiffen. Bei uns gibt es Applaus.

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