
Mein erstes Schwert hieß „die Säge“. Es wog 3,5 Kilo, und der Griff war eine Wäscheleine.
Das war um 1997. Ich war zum ersten Mal auf einem mittelalterlichen Markt in Hohenwestedt, es war neblig und kalt, und um mich herum standen plötzlich Gewandete von ihren Lagerfeuern auf und machten eine Massenschlacht in Zeitlupe. Alle starben. Alle standen wieder auf. Ich stand mittendrin und wusste nur eines: Das will ich auch.
Bei Hertie gab es kein Schwert. Bei Karstadt auch nicht. Also bin ich zu einem Eisenhändler gegangen, habe Stahl gekauft, Löcher gebohrt, Gewinde geschnitten und alles zusammengeschraubt. Keine Ahnung von nichts. Aber ein Schwert.
Dann bin ich damit fast zwei Jahre über die Märkte gezogen und habe jedes Heerlager gefragt, ob mir jemand etwas beibringen kann. Die Antwort war meistens: Nein. Mein erster Lehrer zeigte mir genau drei Techniken. Den Rest habe ich zuhause auf dem Balkon geübt.
Und dann kam der erste Wochenendkurs. Sieben Teilnehmer. Drei Schwerter. Ich hatte noch nie Sportkurse gegeben und große Angst, dass die Leute mich auslachen. Bis ich die ersten dunklen Schweißflecken auf den T-Shirts sah. Da fiel alle Furcht ab. Am nächsten Tag waren alle wieder da.
Heute kennen wir über 160 Kampftechniken. Bei einer vernünftigen Planung hätte ich das alles niemals angefangen.
Vielleicht liegt bei Dir auch gerade so eine Säge herum. Ein Kurs, den Du schon lange machen wolltest. Eine Idee, die zu groß wirkt. Dann gebe ich Dir den einzigen Rat, den ich wirklich habe: Fang an. Die Fragen kommen später.
Und nimm etwas Leichteres als 3,5 Kilo.
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