
Diese Kolumne ist anders als die anderen. Ich bin kein Arzt und kein Therapeut. Ich bin Schwertkampftrainer. Aber über dieses Thema will ich nicht schweigen.
Depression ist eine Krankheit. Sie ist keine schlechte Laune, und sie geht nicht weg, weil jemand sagt: „Reiß Dich zusammen.“ Schwertkampf heilt sie nicht. Das schreibe ich hier ganz bewusst zuerst.
Trotzdem höre ich immer wieder von Menschen, denen es nicht gut ging, dass ihnen unser Training gutgetan hat. Einer schrieb mir nach einem Wochenende, er fühle sich „physisch und psychisch unheimlich gestärkt“. Das war nur ein Grundkurs, und er schrieb nichts von einer Krankheit. Aber ich habe mich gefragt, was da eigentlich passiert. Das sind meine Gedanken, keine Wissenschaft:
Erstens der Kopf. Wer mit einem Schwert kämpft, muss ganz da sein. Bei jedem Schritt und jeder Parade achtest Du auf Deinen Partner. Für das Gedankenkarussell bleibt für eine Weile wenig Platz. Das löst kein Problem. Aber es kann eine Pause sein.
Zweitens der Körper. Schwertkampf beansprucht sehr viele Muskeln gleichzeitig. Es gibt Pausen, und keiner wird zu Leistungen gezwungen. Du kannst jederzeit eine Übung aussetzen, ohne dass es auffällt.
Drittens das Können. Ich habe viele schüchterne und stille Menschen erlebt, die im Training aufgetaut sind. Wer merkt, dass er nach ein paar Stunden etwas kann, was er sich nie zugetraut hätte, nimmt das mit nach Hause.
Viertens die anderen. Da wartet jemand auf Dich, Dein Trainingspartner braucht Dich. Du musst nichts erklären und nicht fröhlich sein. Jemand schrieb mir einmal, dass man sich in unserer Gruppe sicher und geborgen fühlt und über alles reden kann. Bei uns gibt es dafür sogar Mediatoren, und auch ich höre Dir gerne zu.
An manchen Tagen ist schon der Weg in die Halle zu viel. Das weiß ich. Das ist kein Versagen.
Wichtig: Sport ersetzt keine Therapie und keine ärztliche Behandlung. Wenn es Dir schlecht geht, sprich bitte mit Deiner Hausärztin, Deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Die Telefonseelsorge erreichst Du kostenlos unter 0800 111 0 111. In akuter Gefahr ruf die 112.
Und wenn Du dann irgendwann magst: Komm vorbei. Du musst nicht kämpfen. Du darfst Dich auch einfach dazusetzen.
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