18 - Einfach nur noch da

Zwei Kämpfer im Zweikampf auf dem Kampfplatz

Beim Schwertkampf habe ich noch nie an meine Steuererklärung gedacht. Das ist vielleicht die ehrlichste Werbung, die ich Dir für diesen Sport machen kann.

Es klirrt. Es ist laut. Du schwitzt. Vor Dir kommt ein Schwert angeflogen, das bis zu 2,2 Kilo wiegt. Du musst auf Deinen Partner achten, auf den Platz hinter Dir, auf das, was um Dich herum passiert. Und genau dort ist es plötzlich ganz still.

Das klingt verrückt, ich weiß. Der Alltag kennt das Gegenteil. Du sitzt am Schreibtisch und denkst an das Abendessen. Beim Abendessen denkst Du an den Schreibtisch. Dein Kopf ist immer da, wo Du gerade nicht bist.

Mit einem Schwert in der Hand geht das nicht. Die nächste Parade ist wichtiger als alles andere. Du kannst nicht halb da sein. Und irgendwann merkst Du, dass die ganzen Gedanken, die Dich seit Tagen verfolgen, einfach draußen vor der Halle stehen geblieben sind.

Eine unserer Trainerinnen hat das einmal schöner gesagt, als ich es kann: Man könne regelrecht Urlaub von sich selber machen. Ein Kämpfer sagte einer Zeitung: „Das ist Urlaub vom Alltag, die totale Entspannung.“ Dabei trug er 35 Kilo am Körper.

Am Anfang denkst Du natürlich noch viel nach. Wo ist mein Fuß? Wie ging die Parade? Das ist normal. Das Handwerk musst Du erst lernen. Aber nach vielem Üben und vielen Kämpfen kommt ein Moment, den nur wenige kennen. Du lässt den Kampf fließen, vergisst alle Techniken und kämpfst aus dem Gefühl heraus.

Dann bist Du einfach nur noch da.

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