
Vor ca. Anfang 2013 bin ich angesprochen worden, ob ich auf dem MPS in Hamburg Öjendorf eine mittelalterliche Hochzeitzeremonie leiten würde. Ich sagte zu und vergass leider die Sache.
1,5 Wochen vor dem MPS in Hamburg kam eine E-Mail, ob mit der Zeremonie am Samstag alles klar sein. Man würde sich etwas Kurzes vorstellen, mit Fackeln, vielleicht 30 Minuten lang.
Okay…? (leichte Verwunderung)
Per E-Mail fragte ich nach genaueren Angaben über das Hochzeitspaar, die am Samstagvormittag standesamtlich heiraten wollten. Die Antwort war ohne wirklichen Inhalt.
Ich schrieb also noch eine E-Mail und bat darum, dass sich die Freunde des Hochzeitspaares am Wochenende vor der Hochzeit mit mir treffen sollten. Die Bitte wurde abgelehnt. Schließlich wäre an dem Wochenende die Junggesellenin-Abschiedsparty.
Okay…? (ziemliche Verwunderung)
Das kann ich verstehen, dass man dann am Samstagabend keine Zeit für so ein Gespräch hat. Und was ist mit Freitagabend, samstags früh und Sonntag? Und ich hatte viele Fragen per E-Mail gestellt. Die meisten blieben unbeantwortet.
Montag Nachmittag kam die nächste E-Mail. Man könne sich ja am Dienstag zur Zeit meines Unterrichtes unterhalten.
Okay…? (leichte Verärgerung)
Wenn ich in der Turnhalle bin, dann gebe ich Schwertschaukampf-Unterricht und kann mich nicht über eine Hochzeitszeremonie unterhalten. Mittwoch war ich in Hannover, Donnerstag in Frankfurt und Freitags beim Aufbau. Wenn es noch etwas mit der Zeremonie werden sollte, dann konnte es nur noch per Telefon besprochen werden.
Wie vereinbart kam am Mittwoch der Anruf einer Freundin des Brautpaares. Nach dem Telefonat war ich kaum schlauer. Jetzt wusste ich schon einmal die Namen. Aber was das für Menschen sind, was sie antreibt, warum sie zusammen sind, was ist die Basis der Beziehung… da wusste ich immer noch nicht. Die Anruferin wusste aber genauer, was ich für Informationen brauchte. Sie versprach mir eine E-Mail zu senden.
Freitag Nnacht kam die E-Mail. Jetzt wusste, dass die beiden mittelalterliche Musik hören, gern am Computer spiele und dass sie eine Katze haben.
Okay! (echte Verärgerung)
Was soll das? Soll ich wirklich in der Zeremonie sagen, dass die Grundlage der Gemeinsamkeit sich auf Musik und Computerspielen reduziert? Innerlich war ich über diese Oberflächlichkeit enttäuscht. Ich musste mir wohl selbst etwas aus den Fingern saugen.
Ich baute am Freitag mit den Kämpfern das Heerlager auf. Samstagvormittag war ich mit der Verlobung von Thim und Anja beschäftigt. Und nach dem die Verlobung geglückt war, zog ich mich mit meinen IPAD zurück und schrieb an einer kleinen Rede und machte mir Stichworte. Kämpfer sahen das und halfen. Einige riefen per Handy zuhause an und ließen sich schöne Texte diktieren. Andere schrieben mit an der Rede. Zum Schluss hatte ich ein Konzept, einen Rahmen, mit dem ich die Zeremonie halten konnte.
Okay… Ich bekam Bauchschmerzen.
Das war kein Lampenfieber mehr. Das war einfach Angst, es richtig zu versemmeln. Innerlich war ich am Kotzen. Um 19:30 sollte es losgehen.
- Nur 30 Minuten Reden
- Nur 20 Kämpfer
- Nur 8 Fackeln
Okay, ich mache das alles freiwillig. Und ich will gerne helfen. Das wird schon alles werden. Keine Angst.
Okay… Mir war richtig schlecht.
Als um 19:30 kein Hochzeitspaar, keine Freunde, keine SMS, kein Anruf und keine E-Mail da war, machte ich mir Sorgen. Sollten die Leute vielleicht auf dem Kampfplatz sein. Also rannte ich zum Kampfplatz. Aber da war keiner. Zurück ins Lager. Keine Freunde, kein Hochzeitspaar.
Okay. (Entrüstung und schlimme Vorahnung)
War dem Hochzeitspaar etwas passiert? Hatten die beide einen Unfall? Ist die Hochzeit abgesagt wurden? Ich kontrollierte mein Handy. Kein Anruf. Keine SMS. Keine E-Mail. Sicherlich ist etwas Schlimmes passiert.
19:50 kam bei mir die Nachricht an, dass ein seltsamer Haufen von angetrunkenen Leuten auf dem MPS sein, die mit Sprechgesang ein Hochzeitspaar hochleben lassen.
„Sie und er sind jetzt ein Paar, ja, das finden wir wunderbar…“
Okay… (sicherlich gibt es noch andere Personen, die heute geheiratet haben)
Ich wurde traurig. Richtig traurig. Nicht nur enttäuscht. Sondern so abgrundtief traurig. Ich machte mir Mühe, Leute halfen bei der Rede, ich wollte die Zeremonie für das Hochzeitspaar machen. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern nur für diese beiden Menschen. Und es war keiner da. Was sollte das? Ich wollte ins Bett und schlafen. Das ist meine Art mit Anspannung und Enttäuschungen umzugehen.
20:05 tauchten 3 angetrunkene Personen an meine Abspannung auf, die sich darüber beschwerten, dass ich
- auf ihre E-Mail von Freitag (Aufbautag) nicht geantwortet habe und
- in meinen Mails immer so unfreundlich war
Was sei nun mit der Zeremonie? Ich habe schließlich gefälligst die Zeremonie abzuhalten.
Okay!!! (richtige Verärgerung)
Nun war ich richtig sauer, aber noch beherrscht. Innerlich war ich noch zu dieser zeremonie bereit gewesen. Hätten diese drei Gestalten ein Wort der Entschuldigung gebracht, hätten sie das Wort „Bitte“ gebracht, dann hätte ich mein Bestes gegeben.
Sicherlich war nur der Alkohol an dieser Situation schuld. Sicherlich meinten diese Personen das nicht böse. Aber 35 Minuten zu spät und mich dann für meinen Ton in den E-Mails anzufahren und mir vorzuhalten, ich hätte auf eine E-Mail vom Aufbautag nicht geantwortet. Das war schon reichlich starker Tobak.
Als ich Widerworte gab, wurde ich von der Gruppe zuerst beschimpft, dann ignoriert und meine Frau zugetextet. Ich fühlte mich verletzt, enttäuscht und beleidigt. Ich ging davon. Ich hatte genug. Ich wollte von diesen Gestalten nichts mehr wissen. Ich wollte ins Bett.
SSKler sahen, das es an der Abspannung Probleme gab, mischten sich ein und halfen. Nach vielleicht 30 Minuten Diskussion an der Abspannung verabschiedeten sich die Gestalten mit Umarmung und gingen.
OKAY - ENDE
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Heute, einige Monate nach dem MPS kann ich das Verhalten dieser „Freunde“ immer noch nicht verstehen. Und die Sache ist mir nicht egal. Aber vielleicht war es besser, dass die die Rede nicht hielt. Ich hätte sonst sicherlich dem Brautpaar in der Zeremonie einiges über wahre Freundschaft und gute Freunde erzählt.
Ich bin nur noch etwas enttäuscht und will mir selbst versprechen, nie wieder eine Hochzeitszeremonie für fremde Personen abzuhalten.
Überhaupt: Ich bin nicht sofort ins Bett gegangen, sondern saß noch lange im Kreise meiner Kämpfer und genoss den Abend.
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