Einleitung und Erklärungen zu den Pressemitteilungen

2009-02 www.Fantastik-online.de (online)

Im Reich der Klingen  -  Schwertschaukampf kann man lernen

Bernd Timm, Thomas Kohlschmidt und Klaus Wittmack von www.fantastik-online.de haben von der Schule für mittelatlterlichen Schwertschaukampf gehört und fragten nach einem Interview. Dazu waren wir natürlich gern bereit. Und die Einladung zum Fortgeschrittenen-Kurs haben die Drei genutzt, um viele Fotos zu machen. Die Bilder und der vollständige Bericht sind nun fertig.

Vielen Dank an das Team von www.fantastik-online.de für den netten Bericht.

Wenn wir mittelalterliche Märkte und Ritterfestivals besuchen, dann sind sie eine der ganz großen Attraktionen: die Männer und Frauen, die mit echten Metallschwertern rasante Schlagabtausche hinlegen. Da stockt uns der Atem. Und sicherlich hat sich der Eine oder Andere schon gewundert, ob das nicht furchtbar gefährlich ist. Und wie man das überhaupt lernt. – Das fragten wir uns auch schon lange und wollte es endlich ergründen.



  Und so stehen wir in einer Sporthalle in Pinneberg. Um uns herum wirbeln Stahlklingen und es scheppert laut, wenn sich die Schwerter kreuzen. Rund 30 Männer und Frauen liefern sich heftige Duelle. Jetzt sind wir mittendrin in der Welt hinter der Kulisse. Training für Schwertschaukampf. Und das in einer Schule der anderen Art. –
Aber hier wird weder wild aufeinander eingedroschen, noch werden feste Schlag-Figuren auswendig gelernt, oder gar eine Ausbildung zum Ritter gemacht.
„Der Kampf ist der Weg, nicht das Treffen des Gegners“ ist ein Motto der Schule. Es geht darum, Spaß am Umgang mit einem mittelalterlichen Schwert zu haben.
Auch wenn die verwendeten Waffen keine scharfen Klingen haben, so hat ein historischer Eineinhalbhänder doch Kraft und Wucht, die mit einem modernen Florett überhaupt nicht zu vergleichen sind.

"Deswegen ist bei allen Übungen Sicherheit das oberste Prinzip. Die Waffen müssen jederzeit stopp-bar sein", erklärt uns einer der Trainer. Das heißt, die Klinge muss immer unter Kontrolle und der Angriff muss abbrechbar sein, wenn man sieht, dass der Schlag nicht pariert wird. Zur Grundausstattung gehören lediglich dicke Lederhandschuhe und bequeme Sportkleidung. Eine Rüstung wird nicht benötigt.
So ein Kampf sieht vielleicht gefährlich aus, wenn die blanken Klingen durch die Luft wirbeln, aber es hat in der Schule durch das Schwert selbst noch keine Verletzungen gegeben.

Bei jedem Treffen werden immer auch verschiedene Übungen gezeigt, um z.B. ein Schlag zu parieren, einem Gegner die Waffe abzunehmen oder ihn mit festem Schritt wegzudrücken. Diese Bewegungsabläufe werden erst in der ganzen Gruppe geübt und danach mit einem Partner in einem Kampf ausprobiert.

Die Schwerter sind speziell für den Schaukampf geschmiedet und haben eine etwa 3 mm breite Schlagkante und eine stumpfe Spitze. Die Klingen werden aus dem hochwertigen Federstahl hergestellt, die bis in das Griffstück durchgehen. Reine Dekorationsschwerter, wie man sie oft nur in irgendwelchen Läden sieht, würden sofort zerbrechen.


Mittendrin:

Natürlich mussten wir das auch selbst am eigenen Leib erfahren, und so hat sich Bernd die Schutzhandschuhe angezogen und zum Kampf gestellt. Das war eine interessante Erfahrung. Während sich ein Degen leicht und schnell mit einer Hand führen lässt, braucht es hier den festen Griff beider Hände und den ganzen Körpereinsatz. Es beginnt - wie bei allen Kampfsportarten - mit einem festen, tiefen Stand. "Man kann kein Schwert schwingen, wenn man dasteht, als warte man auf den Bus."
Dann geht es los: Richtiges Fassen des Schwertes; Schlagen von rechts, - parieren des Gegenangriffs; schlagen – parieren; schlagen – parieren... Und jetzt das Ganze von links!
Nach einigen Minuten eine neue Technik: "Nun probieren wir den Angriff von oben:"
Die Zeit vergeht schneller als gedacht, und die ungeübten Muskeln machen sich bemerkbar. Es geht ja nicht nur darum, das etwa 2,5 kg schwere Schwert schnell und konzentriert zu bewegen, sondern auch die Erschütterungen der Schläge abzufangen. "Nicht schlapp machen!" Wieder eine neue Technik, damit Bernd auch ja einen umfassenden Eindruck bekommt. Ihm läuft der Schweiß herunter. Egal, - weiter geht's! -
Ja, das war eine tolle Erfahrung, die viel Spaß machte. Rein sportlich fordert der Schwertkampf fast alle Muskeln und ist dabei für den Körper schonender und sicherer als z.B. Volleyball.


Die Anfänge:

Wenige Tage vorher hatten wir vom Gründer dieser Schule, Heiko Schulze, erfahren, dass es bis vor ein paar Jahren keine Möglichkeit gegeben hat, europäische Schwertkampfkunst systematisch zu erlernen. Da hatte es zwar ein paar Könner gegeben, die auch von Veranstaltern diverser Events sehr gefragt waren, aber diese Leute konnten nicht erklären, wie man es macht (oder wollten es nicht). Ein Choreograph wurde engagiert, der aber auch schon bald seine Schrittfolgen und Bewegungsabläufe beigebracht hatte. Dem Kern der Kampfkunst war man noch nicht nahe genug gekommen.

Heiko Schulze hat daraufhin angefangen, jede Menge Kampffilme in Zeitlupe zu studieren, und die dort gezeigten Abläufe zu analysieren. Es zeigte sich früh, dass sehr viele der optisch spektakulären Fights physikalisch unrealistisch, dramatisch überhöht oder einfach zu gefährlich waren. Oft wurden Ritter-Szenen gezeigt, die damals im Mittelalter aufgrund der Waffen und Rüstungen so niemals abgelaufen wären. Bei harten Schlägen von Klingen gegen Panzerungen wären die meisten Schwerter z.B. zersprungen, da damals nicht hart genug geschmiedet werden konnten (das kann man heute gerade mal eben). –

Zusammen mit Gleichgesinnten hat Heiko Schulze sich schließlich dafür entschieden, verschiedene Techniken aus anderen Kampfsportarten mit Grundtechniken des Schwertkampfes und eigenen Abläufen so zu mischen, dass das Verletzungsrisiko bis gegen Null minimiert wurde. Denn beim modernen Schwertschaukampf geht es um Sport und Spaß, nicht – wie im Mittelalter – darum, den Gegner möglichst schnell auszuschalten um selbst mit heiler Haut davon zu kommen.

„Wir haben diverse Techniken zusammengestellt, die einen sehr schnellen und kraftvollen Kampffluss ermöglichen. Immer mit dem Ziel, bei viel Spaß ein hohes Maß an Sicherheit und einen schnellen Lerneffekt zu vermitteln“, erzählte uns Heiko Schulze. „Dabei handelt es sich nicht um einstudierte Choreographien, sondern um echten Schaukampf.“


Grundlagen lernen:

Wer sich für das Erlernen von mittelalterlichem Schwertschaukampf interessiert, kann sich über die Volkshochschulen in Hamburg und Schleswig Holstein zu einem Wochenend-Grundkurs anmelden. Dazu sollte man mindestens 15 Jahre alt sein, denn Kinder werden aufgrund oft mangelnder Ernsthaftigkeit nicht ausgebildet.

An allererster Stelle steht selbstverständlich die Sicherheit aller Kursteilnehmer. Deshalb wird mit Übungsschwertern aus Holz und Kunststoff trainiert. Erst wenn ein Gefühl für die Bewegungsabläufe vorhanden ist geht es zu den ersten langsamen Übungen mit Metall über. Es werden Angriffe und Paraden geübt, und es werden verschiedene Möglichkeiten ausprobieren einen Gegner zu entwaffnen, auch wenn man selber kein Schwert hat.

Im Laufe des Kurses wird umfassend Auskunft darüber gegeben, worauf es beim möglichen Schwertkauf ankommt. Es gibt sehr viele ungeeignete Waffen, z.B. Deko-Schwerter, die beim Kampf splittern und zu groben Verletzungen führen können. Man sollte unbedingt ein „sicheres“ Teil verwenden. Dazu werden den Teilnehmern einige Bezugsquellen genannt, die hochwertige Schwerter zu günstigen Preisen anbieten. Man kann auch über die Schule gute Klingen bestellen.

Weitere Themen des Anfängerkurses: Bau einer funktionalen Schwertscheide, Information über die Rechtslage zu „Hieb- und Stichwaffen“ , Kämpferbedarf wie Lederplatten-Handschuhe und Unterarmschoner und immer wieder Hinweise zur Sicherheit beim Kampf!

Im Anschluss an einen Anfängerkurs hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, eine Prüfung zu machen. Nach einem theoretischen Teil kann der Schüler unter erschwerten Bedingungen beweisen, dass er sorgfältig mit dem langen Schwert umgehen kann. Nach bestandener Prüfung bekommt er einen persönlichen Kampfausweis, mit dem er sich anderen Personen als sicherer Kämpfer zu erkennen geben kann.


Und Weitermachen:

Wer dann Geschmack am Schwertschaukampf gefunden hat, kann seine Fähigkeiten natürlich weiter ausbauen und dauerhaft trainieren.

Jeden Dienstag findet dazu in der Zeit von 20:15 Uhr bis 21:45 Uhr ein Kurs für Teilnehmer statt, die den Grundkurs erfolgreich mit der Prüfung zum Kampfausweis bestanden. Ort: Schulsporthalle Rübenkamp in Pinneberg. Die Halle liegt am Ende der Fußgängerzone Dingstätte und kann auch in wenigen Minuten vom Bahnhof Pinneberg erreicht werden. Parkmöglichkeiten sind an der Halle vorhanden.

Es sind auch schon die ersten Wochenend-Fortsetzungskurse geplant. Gedacht sie für die Personen, die beim wöchentlichen Training in Pinneberg nicht mit dabei sein können, dennoch aber gern weitere Techniken erlernen möchten. Voraussetzung für den Kurs ist die erfolgreiche Teilnahme des Grundkurses. Der Kurs bietet noch einmal die Gelegenheit, die Prüfung zum Kampfausweis zu machen (Zu den Fortgeschrittenen-Veranstaltung sollte man mit Schutzhandschuhen und Unterarmschonern erscheinen).


Live-Action:

Waffenklirren reißt uns aus den Gedanken! Es ist beeindruckend zu sehen, was die Kämpfer alles drauf haben. Das Fortgeschrittenen-Training bietet Abwechslung: Nach dem Warmmachen werden Schrittfolgen im Gänsemarsch geübt, Zweikämpfe absolviert und schließlich sogar eine kleine Schlacht veranstaltet, bei der zwei Parteien sich gegenüber an der Wand der Sporthalle aufstellen und auf ein Zeichen hin aufeinander zustürmen. Solche Aktionen sind es, die auf mittelalterlichen Events besonders gut ankommen.

„Nicht jeder, der bei uns trainiert, will auch später auftreten. Man muss das nicht, aber man kann. Wer will, stattet sich mit einer Gewandung aus und übt im Team für Auftritte mit. Man kann aber natürlich auch nur für sich selbst das Kämpfen üben. Alles ist frei und soll Spaß machen. Das einzige Prinzip: Sicherheit für sich und andere!“, sagt uns Sabine Jöhnke, eine Co-Trainerin der Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf.

Wenn wir sehen, wie viel Leidenschaft die Kämpfer um uns herum an den Tag legen, zuckt es wirklich in den Fingern, mitzumachen. Warum eigentlich nicht?

Weitere Infos dazu gibt es auf der sehr ausführlichen und informativen Site www.schwertschaukampf.de

 

 

Fotos von Bernd Timm, Klaus Wittmack, Thomas Kohlschmidt und Rita Wagner.
Text von Thomas Kohlschmidt und Bernd Timm.
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