20 - Ist doch normal, oder nicht?

Ein erfahrener Kämpfer sitzt mit einem Jüngeren an der Feuerstelle im Heerlager

Ein neuer Kämpfer kam auf mich zu und sah aus, als hätte er gerade einen Geist gesehen.

„Du, Heiko, ich weiß nicht, ob Du das eben mitbekommen hast“, sagte er. Eine unserer langjährigen Kämpferinnen hatte ihn angesprochen. Und sich richtig lange mit ihm unterhalten. Mit ihm! Er war doch erst ein paar Wochen dabei. Sie war viel länger bei uns und wusste viel mehr als er. Er konnte es immer noch nicht glauben.

„Ja, und?“, war meine Antwort. „Ist doch normal, oder nicht?“

Das war 2009 in Hohenwestedt. Und erst danach habe ich begriffen, was der Mann mir da eigentlich erzählt hat. Er hatte damit gerechnet, dass die Großen nicht mit den Kleinen reden.

Viele kennen das aus anderen Gruppen. Es gibt die, die schon da sind. Es gibt die, die neu sind. Und dazwischen gibt es eine unsichtbare Tür, durch die man erst nach Jahren darf.

Bei uns ist diese Tür ausgehängt. Das ist kein Verdienst von mir. Das machen die Leute selbst. Nach einem Markt in Öjendorf schrieb mir einer, er habe viel über unsere Gemeinschaft gelesen, und es selbst zu erleben sei trotzdem etwas ganz anderes. Er habe sich nie wie „der Neue“ gefühlt. Andere erzählten mir, sie seien erst drei oder fünf Monate dabei und fühlten sich, als wären sie schon immer bei SSK gewesen.

Das schönste Kompliment an diese Gruppe ist deshalb nicht, dass jemand darüber staunt. Es ist, dass es irgendwann keiner mehr tut.

Falls Du also neu zu uns kommst und jemand setzt sich am Feuer zu Dir, dann erschrick bitte nicht.

Ja, und? Ist doch normal.

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