2010-04-04 Dienstreise durch Tschechien.

altAm Anfang war einfach nur der Wunsch da: Lass uns doch mal Urlaub machen. Und dann wurde es zu einer sehr interessanten Dienstreise durch Tschechien.

Da am Samstag (03.04.2010) eine Turnierprobe für das aktuelle Turnier stattfand, konnten wir erst am Sonntag mit dem PKW losfahren. Doreen hatte einen kleinen interessanten Mittelalterlichen Markt in Chemnitz gefunden,

der sozusagen auf dem Weg lag. Also fuhren wir mittags los und waren um 19:00 auf dem Markt und lernten dort einen tschechischen Schmied kennen, der interessante Waffen herstellte, aber kein Bankkonto hat und kaum Deutsch versteht, so das eine Bestellung aus Deutschland nicht möglich ist. Nach der typischen Diskussion, Deutsche Schule gegen Schwertschaukampf kurvten wir nach Karlsbad in Tschechien weiter.

Dort ging uns das Navigationsgerät kaputt. Der An- und Ausschalter ließ sich nicht mehr bedienen und das Geräte nicht mehr einschalten. Ohne ein Navi ging es nicht weiter. Wir hatten noch 12 weitere Punkten in Tschechien, die wir anfahren wollten und ohne dem Gerät war das nur schwer zu erreichen. Also schraubten wir das Navi mit dem immer vorhandenen Schweizer Taschenmesser auf: Der Taster für das An- und Ausschalten war von der Platine gebrochen. Der Kontakt konnte jedoch durch eine Pinzette überbrückt werden. Und so bauten wir das Teil wieder zusammen und starteten es von nun an mit der Pinzette.

Ostermontag schauten wir uns Karlsbad und die Umgebung an und genossen die Tschechischen Spezialitäten. Nahrungsumstellung hin oder her: wir waren im Urlaub und nur Salat und Wurzel ist auf die Dauer sehr langweilig.

Dienstag war unser Großkampftag: 3 Schmieden an einem Tag. Von Karlsbad fuhren wir 90 Minuten über Landstraßen und Pisten nach Benešov nad Ploučnicí, um Kovex Art zu besuchen. Kovex war die einzige Schmiede gewesen, welche wir nicht vorher telefonisch über unseren Besuch informieren konnten.

Die Schmiede von Kovex liegt an Ende einer kleinen Straße, bei der man sofort das Gefühl hat, dass man hier auf gar keinen Fall richtig sein könne. Die Straße endet auf einen Acker und kurz davor war einen unbefestigten Parkplatz, eine Mauer und das Firmenschild von Kovex.

 

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Nachdem wir das Schwert von Ali-Menz abgegeben haben und einen Blick in die Werkstatt werfen konnten, wurde uns ein Handy in die Hand gedrückt mit einer Dame, welche ein wenig Deutsch konnte. Sie erzählte uns, dass sie sehr an einer Zusammenarbeit interessiert ist, Kovex aber so viel zu tun hätte, dass die nächste Schwertlieferung erst zum Winter kommen könne… und ab 10 Schwertern gibt es 10% Rabatt. "ähm... vielen Dank, wir überlegen uns die Zusammenarbeit noch einmal."

Nach unseren Unterlagen war die Schmiede von Jiří Novák (JINO) gleich um die Ecke. Gleicher Name des Ortes und in dem Ort fanden wir auch sofort die angegebene Straße Náměstí Míru 17. Nur ein Firmenschild von JINO war nicht zu finden… Also riefen wir Jiří Novák an und er bestellte uns zum Marktplatz in Benešov nad Ploučnicí.

Er wollte uns in 5 Minuten von dort abholen. Nach einer halben Stunde rief er an und fragte, wo wir denn sind.

Wir: „Wir stehen auf dem Marktplatz in Benešov nad Ploučnicí.“
JINO: „Ich auch“ war die Antwort.
Wir: „Wir stehen gleich bei Kovex um die Ecke“
JINO: „Ich bin nicht Kovex“
Wir: „Das wissen wir, aber ihr wohnt doch in der gleichen Stadt“
JINO: „Kann nicht sein. Wo seit ihr denn“
Wir: „in Benešov nad Ploučnicí auf dem Marktplatz“
JINO: „Das kann nicht sein, denn da stehe ich und kann Euch nicht sehen..“

Und so weiter. Wir fragten dann Dorfbewohner, wo wir denn seien und hielten ihnen unsere kleine Landkarte hin. Und siehe da, es gibt zwei Dörfer mit gleichen Namen, in denen es die gleichen Straßen gibt. Später erfuhren wir, dass es die Straßen Náměstí Miru (Platz des Friedens) und Nerodova (Name eines berühmten tschechischen Schriftstellers) fast in jeden Ort gibt.

Wir waren noch über 100 Kilometer von Benešov nad Ploučnicí entfernt, in dem Jiří Novák seine Werkstatt hat. Also sind wir über unglaublich enge einspurige Landstraßen und Schotterpisten zu JINO gefahren, fanden die Adresse und standen letztendlich vor seiner Wohnungstür. Und: er war nicht da.

Also riefen wir wieder an und wurden dann von Helena Vorlová (seiner Partnerin) persönlich abgeholt. Über Schotterstraßen ohne Namen und klapprigen Holzbrücken ging es zu Werkstatt, wo wir freundlich begrüßt wurden. Wir gaben 2 defekte Jino-Schwerter ab und konnten die reparierte „Glocke“ abholen. Und wir gaben spontan ein weiteres vor Ort entwickeltes Schwert für Doreen in Auftrag. Anschließend besuchten wir die Schmiede von Jiří Novák,... 

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wo der Schmied persönlich den Ort der „Glocke“ schaukampftauglicher machte. 

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Der Service und die Freundlichkeit machten große Lust auf eine engere Zusammenarbeit.

Dann ging es weiter nach Prag, wo wir Jiri Krondak von Fabri Armorum besuchten. Sein Einfamilienhaus nach Ostblockart kann man auf der Website sehen und es machte auf uns nicht den Eindruck, dass es dort sehr professionell zugeht. Aber wir täuschten uns gewaltig.

Nachdem wir herzlich von dem Schmied begrüßt wurden, ging es in einen Verhandlungsraum, der reichlich mit schönen Rüstungen und... 

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edlen Waffen dekoriert war.

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Und das Nachbarzimmer war eine wortwörtlich eine Waffenkammer. Geschätzt lagerten hier über 300 Schwerter und Dolche in jeder Größe und Ausführung. 

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Jiri Krondak zeigte uns seine neuen Ideen und Weiterentwicklungen und erzählte uns, was wir noch alles an den Schwertern individuell bestellen können. Selbst handgemachte Gravuren oder Ätzungen sind ohne weiteres möglich, müssen jedoch bei der Bestellung aufgegeben werden, da nur der Klingenrohling ohne Griff und Knauf in das Ätzbad gehen können.

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So sei zum Beispiel ein Handschutz ohne Problem bei jedem Schwert mit zu ordern. Er bräuchte nur die Länge- und Breitenangaben des Handschutzes und schon könnte es los gehen. Spontan änderten wir unsere SSK-Bestellung, um zwei Musterschwerter in Hamburg zu haben.

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Insgesamt 5 SSK-Schwerter gingen zur Pflege zurück und 6 Schwerter sollte geändert und repariert werden. Jiri versprach, alle Schwerter in einem Monat uns repariert zur Verfügung zu stellen. Service wird bei Fabri wie bei Jino wirklich groß geschrieben.

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Und Jiri arbeitet nun mit einer Töpferin zusammen. Die Waren gefielen uns so gut, dass wir fast die gesamte Vitrine leer kauften. Die Fotos der Tonwaren gehen demnächst auf unserer Website online.

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Nach gefühlten 6 Stunden bei Jiri Krondak führen wir (erschlagen von dem Gespräch) weiter zu unserer Schlafgelegenheit in Prag. Bei dem Abendessen mit unserer Gastgeberin stellte sich heraus, dass sie Architektin für Denkmalpflege ist und dass ihre Arbeitskollegin eine Burgruine gekauft hat und nun darin wohnt. Sie sind gerade dabei, das Gebäude zu renovieren, um darum herum später mittelalterliche Märkte abzuhalten. Zufälle gibt es…

In den folgenden Tagen besichtigten wir Prag und Pilzen, fuhren zum Ledergerber und besuchten EVA

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und waren dann am Sonntag spät abends wieder zurück. Insgesamt eine sehr schöne Zeit, mit köstlichen Speisen, vielen interessanten Gesprächen, sehr netten Menschen und vielen schönen Orten.

Und wir haben beschlossen, dass wir häufiger in die Tschechien fahren werden.

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Doreen und Heiko

 

PS: In der Zwischenzeit haben Jiří Novák (JINO) und Kovex telefoniert und die Anschrift von Kovex wurde auf der Website entsprechend von „Benešov nad Ploučnicí“ in „Brezno u Chomutova“ geändert.  Besser ist das auch... :-)

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