2011-07-06 Finnland

altDiese Reise begann mal wieder mit einer kleinen unerwarteten E-Mail: „Hallo Heiko, bitte schicke uns so schnell wie möglich 5 Schwerter. Wir planen hier einen mittelalterlichen Markt.  Gruss Ritta und Markku“. So in dieser Art war der Text. Also habe ich 5 gebrauchte Schwerter geputzt, eingefettet und per UPS nach Finnland geschickt. Bei der nächsten Gelegenheit bot ich meine Mitarbeit auf dem finnischen Markt an.

Und ich würde gern meine Frau mitbringen. Wir würden bis zu 4 Tage Urlaub nehmen und die beiden Marktveranstalter könnten sich den Zeitraum aussuchen, in dem wir in Finnland wären. Einen Tag später kam der Anruf: Bitte checkt Eure E-Mails, wir möchten jetzt Eure Tickets buchen.

Okay, und so sind wir nun erneut in Finnland. Ich sitze hier in dem Cafe der Veranstalter und bin immer noch verwundert, dass die Sonne schon wieder – nein, immer noch - von dem blauen Himmel strahlt. Bis auf das Brummen der Eistruhe ist es still. Insgesamt ist Finnland überhaupt sehr still. Wenn wir einen Spaziergang durch einen Wald machen, ist kaum ein Vogelgezwitscher zu hören. Wir wissen nicht, warum hier der Vogelgesang fehlt. Auffällig ist es jedenfalls schon.


Es ist heiß. Heute wird es sicherlich wieder über 25 Grad im Schatten werden. Und es soll ein wenig Wind wehen. Das ist gut, denn der Wind soll die Mücken vertreiben. Überhaupt Mücken. Was haben wir nicht für Schauergeschichten von den finnischen Moskitos gehört. Sie sollen in großen Schwärmen über die Menschen kommen und erwachsene Personen innerhalb von 2 Tagen komplett leer saugen können. Und die Mücken sollen so groß wie kleine Libellen sein und tenninsballgroße Einstichstellen hinterlassen.

Meiner Meinung nach ist das alles Quatsch. Die Mücken in Deutschland sind auch nicht kleiner oder größer und gefährlicher als hier. Und natürlich haben wir uns reichlich mit dem ortüblichen Markenmückenschutzmittel eingesprüht. Und dennnoch sind wir gestochen wurden. Na und? Was erwartet man von einem Land mit über 183.000 Seen?

Aber es sollen auch kleine 2 mm große Beissmücken geben, welche ein kleines Stück aus der Haut beissen können. Davon habe ich ein paar gesehen. Und ich habe ein paar seltsame Bissstellen auf meiner Haut gesehen. Aber auch das überlebt man ziemlich gut.  

Also, die Mücken haben auf jeden Fall ihren Dienst gut gemacht und haben uns aus Alibigründen ein paarmal gestochen und uns etwas genervt. Damit war das Thema erledigt.

Aber die Sonne scheint immer noch. Natürlich scheint die Sonne. Und natürlich habe ich in der Schule gelernt, dass hier so hoch im Norden im Sommer die Sonne scheint und es im Winter immer dunkel ist. Aber was heißt das denn? Vielleicht kann man es sich so vorstellen, als wenn die Zeit stillsteht. Es ist morgens, mittags, abends und dann schon wieder morgens, ohne wirklich einmal in der Nacht dunkel geworden zu sein. Die Nacht fällt einfach aus.

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Das kann ganz schön nerven, weil man durch die fehlende Dunkelheit abends nicht den Absprung ins Bett schafft. Ritta und Markku waren sehr gastfreundlich und haben uns extra ein Zimmer ohne ein Fenster gegeben. Damit wir nachts besser schlafen können. Aber nachts in einem dunkeln Zimmer direkt unter den Dach bei Tagen mit über 30 Grad im Schatten ist bei allem Respekt kein wirkliches Vergnügen.

Wir haben die Stunden nach dem Marktgeschehen – also die Abend- und Nachtstunden genutzt, um kleine Wanderungen durch die angrenzenden Wälder zu machen. Wir haben im frühabendlichen Sonnenlicht Aussichtsplattormen bestiegen. Wir haben Paddeltouren im Kanu gemacht. Und wir konnten selbst um 1 Uhr morgens Fotos vom Sonnenuntergang machen. Dabei ist die Sonne gar nicht untergegangen. Sie schob sich am Horizont vorbei, um nur gleich wieder aufzugehen. Wir haben nachts am Lagerfeuer gesessen und Würstchen über offenem Feuer gebraten und es fühlte sich an, als wenn man um vielleicht 17 Uhr im Sommer in Hamburg in einem Wald sitzt.

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Und wenn man auf die Uhr schaut, dann war 23 Uhr. Ziemlich verrückt das alles.

Aber nun vielleicht mal der Reihe nach…

Wir sind am Mittwoch, den 06.07.11  in Gewandung und mit zwei Koffern und einer Golftasche mit Schwertern und Turnierzubehör von Hamburg über Helsinki nach Rovaniemi geflogen. In Rovaniemi kamen die beiden Koffer an. Die Golftasche leider nicht. Doreen und ich schauten ziemlich ungläubig auf das Rollband der Gepäckausgabe, als das Band abgestellt wurde.

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In Rovaniemi wurden wir von dem Sohn von Ritta und Markku abgeholt, der uns gleich bei der Verlusterklärung helfen konnte. Die Golftasche sollte per Taxi nach Autti geliefert werden – wenn sie gefunden wird. Etwas beunruhigt sind wir nach Autti zum Markt gefahren. Stunden später kam der Anruf vom Flughafen: Die Golftasche ist gefunden und wird nun gebracht. Damit konnte uns bei dem Turnier nichts mehr passieren, da in der Golftasche auch die Kampfumhänge und die Turnierflaggen waren.

Noch in Deutschland haben wir erfahren, wie sehr die Veranstalter auf uns bauen. Sie hatten keine Erfahrung, wie man eine Schwertschaukampf-Show auf die Beine stellt. Aus diesem Grund haben wir unser Playmobil eingepackt, mit dem auch in Deutschland mit unseren Koordinatoren Schlachtaufstellungen und ähnliches im Wortsinne "durchspielen".

Doreen und ich haben uns nach einigen Versuchen während des Fluges entschieden, eine kleinere Version von „Anna und der Robert“ als Stück vorzuschlagen. In Ermangelung von Alternativen wurde das Stück angenommen. Ritta bekam die Rolle der Moderatorin.

Das Marktgelände war von der Fläche her vielleicht so groß wie ein halbes Fußballfeld. In der Mitte des Markplatzes stand das Haupthaus der Veranstalter mit den Schlaf- und Wohnzimmern, den Duschen, den Saunen und die Cafeteria. An der Stirnseite der Marktfläche, etwas versteckt im Wald, war das  Mittelalterrestaurant, in dem während der Marktzeit das Frühstück für alle Händler und Schausteller angeboten wurde.

Einige Stände waren schon aufgebaut. Von anderen stand nur das Gestänge ohne Zeltplane. Ritta und Markku haben bereits den Rohbau von Marktständen aufgebaut und sich somit wirklich alle Mühe gegeben, es den Händler so leicht wie möglich zu machen. So bestand die Möglichkeit, dass auch Händler ohne Zelt und Stand, nur mit Ihren Waren, kommen konnten. Bei insgesamt nur 6 Milionen Einwohnern ist Finnland mit seinen großen Entfernungen nicht annähernd mit so vielen Marktteilnehmern gesegnet wie  Deutschland. Einige Markthändler kamen sogar aus dem Ausland wie Ungarn und Estland.

Die finnischen Kämpfer waren in der Turniervorbereitung tiefenentspannt, was die Turniervorbereitung anging. Proben gab es leider viel zu wenig. Dementsprechend wurde das Stück erst bei jeder Aufführung besser. Es reifte also vor Publikum.

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Zum Glück waren finnische Tänzer unter den Marktteilnehmern. Einige von den Tänzern arbeiten als Regisseure an Theatern. Und so konnten sie den Akteuren noch einige Tipps für die Darstellung geben. „Anna“ kann nicht schüchtern und leise nuscheln, wenn der „Robert“ den Plan verlassen muss. Und Ritta als Moderatorin muss präsent und laut sprechen, um überhaupt als „Herold“ wahrgenommen zu werden. Und bei jedem Einzelkampf kann der Gewinner des Kampfes den Applaus beim Publikum abholen. Das gibt mehr Zeit, mehr Show und mehr Atempause für jeden einzelnen.

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Es war einfach gut, dass Außenstehende diese Hinweise brachten. So musste ich nicht alles vorschlagen. Die kämpferische Leistung war eigentlich ganz in Ordnung. Viel konnte man nicht erwarten für einen Grundkurs, der über 6 Monate her war und es kaum Proben gab.

Für deutsche Verhältnisse waren an dem Wochenende sehr wenige Besucher da.

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Der Markt begann jeweils um 11 Uhr und endete um 18 Uhr. Doreen, Kirsten und ich gaben in der Zeit sicherlich insgesamt über 25 Schnuppertrainings am gesamten Wochenende. Teilweise bei über 30 Grad im Schatten.

Insgesamt waren insgesamt etwa 14 Stände vertreten: Es gab Ledertaschen, Bögen und Pfeile, etwas zu essen, einen Schmied, etwas Schmuck, Ziegen, Schafe, Schweine, Enten und Gänse zu beschauen, und reichlich Süßkram zu kaufen. Man konnte mit Messern werfen und Pfeil und Bogen schießen. Also bis auf Vielfalt an lebenden Tieren alles genauso wie auf einem Markt in der Nähe von Hamburg.

Die Veranstalter waren sehr zufrieden mit unserer Leistung und luden uns gleich für den nächsten Markt am 13-15.07.2012 ein. Wir werden daher versuchen, bald mit der Orga für den nächsten Markt in Finnland zu beginnen, damit sich die dortigen Kämpfer in Ruhe vorbereiten können.

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Nachtrag: Der Gepäck kam bei der Rückreise vollständig in Hamburg an. 

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